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  NULLREI goes Lange Buchnacht am 12.04.2008  
     
 
"Die Bande am Rande" oder "Der Weisheit letzter Schluss" - so heißen zwei der zahlreichen Rubriken in dem Stadionheft des SV Babelsberg 03. Neben den obligatorischen Statistiken und Spielberichten werden die Randerscheinungen des Fußballs in den Unterklassen ironisch, witzig oder frech kommentiert, wodurch sich das NULLDREI von herkömmlichen Vereinsmagazinen abhebt. Die Artikel führen in die DFB- Zentrale in Frankfurt am Main oder auf Groundhopping - Tour in die Ukraine, Polen oder Lettland. Regelmäßig schmücken Comics die Titelseite, die sich amüsant bis bissig mit dem jeweiligen Gegner des Potsdamer Fußball-Regionalligisten auseinandersetzen.
 
Die ehrenamtlichen Redakteure des NULLDREI-Magazins präsentieren im Rahmen der langen Buchnacht die amüsantesten Stilblüten aus ihrer viereinhalbjährigen Redaktionstätigkeit. Nulldrei
 

NULLDREI Stadionheft Nr. 16 vom 32. Spieltag der Regionalliga Nord vom 21.04.2008:

Wir sind berühmt. Also, man kennt uns auch in Berlin. Nun gut, das gilt auch für Helmut Kohl. Aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden fall wurde die Redaktion zur, ich weiß nicht wievielten "langen Buchnacht" nach Kreuzberg eingeladen. Wir sollten lesen. Die besten Stücke aus viereinhalb Jahren "Nulldrei" in der jetzigen Form.

Da wollte ich natürlich dabei sein. Es war ja Heimspielwochenende und somit gab es auch keine Hindernisse. Keine? Das stimmte natürlich nicht so ganz. Eine entfernte Bekannte und ein bekannter Entfernter hatten sich für just diesen Termin zu einer spontanen Feierlichkeit anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens verabredet. Die entfernte Bekannte entpuppte sich zu meiner Überraschung als die Frau an meiner Seite und Mutter unserer Tochter. Geneigte Leser mit einigermaßen Anstand im Leibe werden nun ein gewisses Maß an Problemhaltigkeit erkennen. Wer noch Schwierigkeiten mit der Analyse hat, hier gibt es nun die entscheidenden Fakten. Beginn der Lesung in Berlin: 20 Uhr, Beginn der Feierlichkeiten in Babelsberg: 20 Uhr. Nun hatten wir vor diesem Tag ein gut ausgeprägtes inniges und liebevolles Verhältnis. Um dieses nicht aufs Spiel zu setzen, verpflichtete ich mich, auf keinen Fall später als allerhöchstens 23 Uhr zurück zu sein. Um es kurz zu machen, ich schaffte es pünktlich kurz nach Mitternacht, mir die verdiente Missachtung und mehrere böse Blicke einzuhandeln. Was war passiert? Ungeahnte Menschenströme pilgerten in die "Remise" der Agentur "Mir", um uns lesen zu hören. Aus diesem Grund verzögerte sich der Beginn um eine halbe Stunde. Die häufigen Begeisterungsstürme verlängerten die Lesesequenzen um ein Vielfaches. In Wirklichkeit verspätete sich der Beginn aus Ermangelung an Zuhörern. Unser Gastgeber war aber der Meinung, dass noch einige Leute "jetzt gerade auf dem Wege" seien. Zum Glück war das nicht mal gelogen. So füllte sich das Sälchen ausreichend und wir lasen uns die Hälse trocken. Nun ernteten wir nicht gerade Begeisterungsstürme, aber unsere Gäste und auch wir selbst hatten großen Spaß. Eigene Lachanfälle verhinderten ein ums andere Mal einen flüssigen Vortrag. Die ausgeschenkten alkoholischen Getränke taten viel leicht das Übrige. Und da wir drei Rampensäue uns so unwiderstehlich fanden, packten wir im ersten Teil schon eine ordentliche Portion Nachspielzeit drauf. Es kommt ja nicht jeden Tag vor, dass uns erwachsene Menschen aufmerksam zuhören, uns quasi an den Lippen hängen. Die Stimmung war gut und so lange würde das Ganze ja nicht dauern, so war jedenfalls der Plan. Dann war Halbzeit. Doch schon die erste von zwei beabsichtigten Halbzeiten war für meinen ambitionierten Zeit plan Gift. Nach der Pause (natürlich war auch diese viel zu lang) war eigentlich der avisierte Beendigungszeitpunkt schon erreicht. Die Leute wollten mehr. War ja irgendwie verständlich. Schließlich sind wir nicht das DSF, wo nach der Pause nur noch fünf Minuten Sendung übrig bleiben. So konnten wir mit hängen und würgen nach einer echten Fußballhalbzeitlänge das Signal zum Aufbruch geben. Doch da war das Chronometer schon ein gutes Stück auf dem Weg nach Mitternacht. Das Drama nahm also seinen Lauf. Nun half auch alles Schönrechnen der voraussichtlichen Rückreisezeit nichts mehr. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest: Ich würde zu spät kommen. Ich kam auch zu spät.

Es war schön. Beim nächsten Mal würde ich dann aber doch irgendwas anders machen.

 
Nulldrei
 
     
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