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7 MOMENTE IM FRÜHLING
 
Die zwölfteilige Serie Siebzehn Augenblicke eines Frühlings, 1973 von der Regisseurin Tatjana Liosnowa für das russische Fernsehen, nach den Romanen von Julian S. Semjonow, gedreht, spielt im Zeitraum Februar-März 1945. In Berlin beginnt sich der innere Kreis um Hitler Gedanken zu machen, was werden soll. "Standartenführer der SS Max Otto von Schtirlitz", der eigentlich Maxim Isaev und Russe ist, erhält den Auftrag aus Moskau, herauszubekommen, ob und wer aus Hitlers Umgebung mit dem amerikanischen Geheimdienstchef Dulles über einen Separatfrieden verhandelt. Nach Außen also den perfekten Nazi mit erfolgreicher Karriere gebend, lässt Agent "Schtirlitz" die Verhandlungen in Bern scheitern, spielt mit Kalkül Gestapo und SD gegeneinander aus, rettet heldenhaft eine Verbindungsagentin mit gleich zwei Säuglingen auf dem Arm und das alles, während er ständig Gefahr läuft, enttarnt zu werden. Besonders "Gruppenführer Müller" ist ihm auf den Fersen.
 
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Das Geheimnis der Serie mag darin bestehen, das die Gegner des russischen Meisterspions nicht als billige Chargen agieren. Selbst Hitler (dargestellt von DDR-Schauspieler Fritz Dietz), ist hier unaufdringlich und unaufgeregt dargestellt. Und Wjatscheslaw Tichonow, spielt den Agenten "Schtirlitz" mit einem Blick von solch durchdringender Melancholie, dass tatsächlich keine Garantie besteht, dass er die Serie überlebt. Mit der selben Hingabe schlüpften auch die anderen namhaften sowjetischen Schauspieler in ihre Rollen, dass man förmlich ihnen den Spaß ansieht, den sie dabei hatten. Wo Nazi-Figuren im Film üblicherweise eindimensional böse Pappkameraden sind, die eben sehr schnell zum Lachen reizen, erscheinen sie in den Siebzehn Augenblicke eines Frühlings als kompliziere Negativ-Charaktere mit ihren eigenen seelischen Abgründen. Der düstere Existentialismus der Hauptfiguren prägt die ganze Serie und ist damit sehr von Geist der sechziger Jahre geprägt. Das eigentlich Spannende der Inszenierung ist der sich unfreiwillig einstellende Effekt: Ganz in kontrastreichem Schwarz-Weiß und langsamer Dramaturgie wird unter dem Deckmantel der ideologischen Unbedenklichkeit der Faszination der Nazi-Accessoires gefrönt. Kaum je sind die langen Mäntel aus glänzend-schwarzem Leder, die "schmissigen" Uniformen mit hohen Stiefeln und verspiegelten Kragen, die engen Lederhandschuhe, die einzeln vom Finger gezogen werden müssen, die Auf- und Abtrittsrituale inklusive Hitlergruss so wild-romantisch in Szene gesetzt worden. Wo sonst häufig Monumentalarchitektur oder prunkvoller Innendekor faschistische Dekadenz illustriert, sind hier die Kulissen nur Ausschmückung sozusagen im Stil der Neuen Sachlichkeit gehalten und der Film konzentriert sich auf seine Darsteller.
 
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Die Existentialromantik wird in dieser Reduktion noch verstärkt. Die Handlung besteht fast ganz aus gewichtigen Männergesprächen, denen die allgemeine Atmosphäre der Ausweglosigkeit die nötige Würze verleiht. Und es wird viel ausdrucksstark geraucht und bedeutungsvoll in schwere schwarze Telefonhörer hineingelauscht und dazwischen gibt es lange Einstellungen von schweigenden Männergesichtern, die dem drohenden Zusammenbruch fest ins Auge blicken. In diesen Momenten übernimmt es eine verhalten-dunkle Erzählstimme aus dem Off teils die Inneren ("Ich war nahe am Scheitern, dachte Schtirlitz"), teils die äußeren Vorgänge zu erläutern ("Üblicherweise trafen sie sich Mittwochs, doch heute war Montag").
 
 

Im Mittelpunkt der Veranstaltung, bestehend aus verschiedenen Ebenen, stand der sowjetische Filmklassikers "Siebzehn Augenblicke eines Frühlings".

Die Erarbeitung der Konzeption erfolgte gemeinsam mit der Übersetzerin Martina Mrochen und der Galeristin Paula Böttcher.

 
 
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